Archiv für Juni, 2008

One Day In Your Life

Veröffentlicht in Kleinkunst am Juni 28, 2008 von pedsen

Wieder kam ich nach Hause.
Nach Hause. Irgendwie wie immer. Ich wollte weg, hinaus in die Welt, doch immer, ja immer wieder nach Hause.
-Komm Schatz, wir haben Sex.
Schon wieder. immer wieder. Hat Sex eigentlich was mit Liebe zu tun? Reperversierung eines Begriffes, erzwungen durch pseudokünstlerische Ästhetik.
Auf einem guten Wege war Mann. Doch dann: Verlaufen, das Ziel aus den Augen verloren.
Immer und immer wieder zurück.
Die Frage ist ja nicht, wie man die Zeit wahrnimmt, sondern wie die Zeit sich selbst versteht. -Selbstverständnis eines Zustandes, sagt man.
Man weiß immer alles besser. Doch mehr als solche Phrasen als Ausdruck der Besserwisserei dringen nicht nach außen.
Hirntot. Klischee. Pappmaché.
Früher war auch alles besser

Das weiss ich von meiner Oma. Woher die es wohl weiß?
Wie autonom ist eigentlich eine Kunst, die den Anspruch, sich selbst zu gefallen, längst aufgegeben hat? Und was ist Kunst?
- Quit playing games with my heart, antwortet mir das Radio.
Die Mädchen kreischen. John und George drehen sich im Grabe um. Paul kauft sich was Schönes und Ringo hat nix mitbekommen.
Und da kommen sie auch schon. Günther, Paris und Marcel Reich-Ranicki.
Sie atmen die gleiche Luft, meistens nicht dieselbe. Aber es verkauft sich ja auch gut.
Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.
Das war mal. Obwohl: Der Ball ist immernoch rund und das Spiel dauert noch 90 Minuten plusminus Verlängerung und Werbepause.
- Ich hätte gerne einmal Vinyl.
- ???
- Chai Latte dann und einmal Datensalat!

Alles ist möglich in Zeiten der Globalisierung, erst recht im Kontext der \\www.TV.org\\ Medialisierung. Die Rückbesinnung auf alte Werte klappt nicht. Wissend um die Rentensituation setze ich mich ins Flugzeug.

Ab nach Hause…\\\

Schwimmen lernen

Veröffentlicht in Kleinkunst mit Tags , , , , am Juni 28, 2008 von pedsen

- Was bedeutet es, wenn der Nationalismus ein neues Gesicht bekommt?
Würde mich meine Tochter fragen, wenn sie wüsste, was Nationalismus bedeutet.
Sieh mal da,
würde ich sagen und dabei auf die Autos verweisen und die Balkone, die eine Farbe, genauer gesagt, 3 Farben zieren, die sonst sofort auffällig würden.
Ich müsste ihr erklären, was diese 3 Farben zu bedeuten haben. Historisch, politisch, kulturell.
Meine Tochter wüsste anschließend mehr als die Fahnenschwenker selbst, die, mit der größtmöglichen Gleichgültigkeit, die Dreifarbigkeit auf einen Kontext beziehen, der nicht direkt mit dem was zu tun hat, was ich meiner Tochter erklärt habe. Glücklichkeit der Ahnungslosen.
Einst waren die Gedanken frei, heute handeln wir gedankenfrei.
Ein Titel einer Hausarbeit, die meine Tochter Jahre später schreiben würde. Und schon wieder wäre sie von dem im 2 Jahrestakt auftretenden Phänom der völlig halbnationalistischen Liebesumkehr umgeben.
Also, ich weiss jetzt, was Sozialismus ist und was Nationalismus ist, dann ist der Nationalsozialismus also… versucht sie per Analogschluss festzustellen.
Ich muss passen, ich bin ein schlechter Vater, wenn ich das nicht erklären kann.

Und mittendrin im sportnationalistischen Trubel – eine kleine Bastion. Eine Kneipe, die semianarchisch nur Fahnen der Fußballdeutschen (Fußball-)gegner aufhängt. Davor sitzen die Punks, die so nihilistisch ihr Astra schlürfen, dass man befürchten muss, es schießt in einem Rutsch unten wieder raus. Wir gehen in Deckung. Und die Punks morgen zur Arbeit.

- Was wir hier sehen ist ein neuer, friedlicher Nationalismus, der mit dem anderer Länder vergleichbar ist und rein gar nichts mit dem zu tun hat, was in unserer Vergangenheit passiert ist.
- Herr Minister, ich würde ihnen gerne glauben, doch ich weiss nicht, wie sie das den nichtfriedlichen Nichtnationalisten andersartiger Hautfarbe erklären wollen, die diesem fremden Spaß mit Leben und Gesundheit ihren Tribut gezollt haben.

Meine Tochter ist erschüchttert. Wenn sie alt genug zum Astratrinken ist, wird sie damit klarkommen. Wie wir alle.